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Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Drama von Edward Albee
Premiere: 18. Mai 2006, Schauburg Ibbenbüren

Inhalt
Martha, Tochter des College-Präsidenten, lebt mit dem Geschichtsdozenten George in – äußerlich betrachtet – gesicherten Verhältnissen. Gegenüber Marthas Wunsch, dass George einmal an die Stelle des Vaters treten und die Leitung des Colleges übernehmen könnte, hat dieser sich allerdings resistent erwiesen. Der Traum einer Karriere ist längst geplatzt. An jenem frühen Morgen, an dem das Ehe- und Geschlechter-Drama beginnt, hat sich Martha Gäste und damit Zuschauer für ihr Schlacht-Ritual eingeladen, die sie soeben auf der Semestereröffnungsparty kennen gelernt hat: den karriereorientierten Biologie-Jungprofessor Nick und seine wohlhabende Gattin Putzi. Schnell ahnen die beiden den Abgrund, den sie betreten haben, aber unversehens hat sie der Strudel von Marthas und Georges Demaskierungs- und Peinigungswut erfasst. Sie werden Zuschauer und sehr bald Beteiligte des durch den Alkohol angeheizten Psychoduells zwischen George und Martha...

Ein amerikanischer Desillusionist
Es mutet zunächst paradox an: Der Dramatiker Edward Albee wurde in Deutschland und Europa viel begeisterter aufgenommen als in seiner Heimat Amerika. Und das, obwohl Albee in fast allen seinen Dramen ein Thema aufgreift, das doch eigentlich vor allem in Amerika interessieren müsste: das Thema Amerika nämlich - oder präziser formuliert: das Thema des zwar anscheinend ausgeträumten, aber für das amerikanische Selbstverständnis offenkundig noch immer bedeutsamen amerikanischen Traumes. Dieser besteht ja im wesentlichen darin, dass die nationale Geburt der Vereinigten Staaten der Anfang einer neuen Geschichte gewesen sei, in der wirklich jeder Mensch - gleichsam zurückversetzt in den Zustand einer adamitischen Ur-Unschuld - kraft einer schier unendlichen Freiheit eine faire Chance zum Erfolg haben würde.

Als vielzitierter American Dream konnte sich dieser Glaube an die umfassende, quasi schon religiös empfundene Freiheit so tief in das Lebensgefühl der "Neuen Welt" eingraben, dass sich die Rede vom "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" bald zu einem regelrechten Mythos formte. Und doch: die Zeiten so irrsinnigen Fortschrittsglaubens mussten natürlich einmal vergehen; noch bevor Edward Albee in den späten 1950er Jahren mit der Uraufführung von The Zoo Story in Berlin seinen ersten großen Bühnenerfolg verbuchen konnte, war der amerikanische Traum bereits weitgehend der ernüchternden Einsicht gewichen, dass der Glaube an die „unbegrenzten Möglichkeiten“ letztlich eine Illusion ist. Aber dass ein Traum eines Tages ausgeträumt ist, weil er vielleicht als sinnlose Utopie erkennbar geworden ist, hat ja noch nicht unbedingt Fatales an sich - deswegen allein musste sich der große Desillusionist Albee noch nicht auf den Plan rufen lassen.

Das Fatale jedoch an den Nachwirkungen des American Dream: er produziert - gleichwohl längst ausgeträumt - noch immer eine millionenfache Lebenslüge, in dessen Folge wiederum millionenfache Isolation produziert wird und ertragen werden muss. Isolation deswegen, weil das Geständnis, dass einer seine Chance nicht genützt oder sie gar verworfen hat, in den USA noch immer wirkt wie die Auflehnung gegen ein heimliches Credo. Das zuzugeben, wagen nur Außenseiter. Die anderen, „Versager“ genannt, müssen sich den Erfolg zusammenlügen und geraten so schließlich in die Isolation.
(Andreas Köster, "Porträt: Edward Albee")

Zwei mal Zwei gleich Unendlich? Edward Albees Ehehölle wird ewig brennen
Amerikanische Katrastrophenfilme enden gern so: Nachdem das 300-stöckige Hochhaus eingestürzt, der Flughafen explodiert, Manhattan in Flammen aufgegangen ist und 2000 Rettungsautos mit rotierendem Blaulicht die Trümmer beleuchten, hüllt Bruce Willis seine Geliebte, die er soeben lebend aus den Splittern zog, in eine Decke und flüstert "Bist du okay?" in ihr Ohr. Sie nickt, zieht Rotz hoch und sagt: "Es ist vorbei. Jetzt wird alles gut." Über solche Untergänge, die immer auch Geburten sind, rollt dann ein Nachspann hinweg, der etwa 3000 Namen von Stars, Stuntsöldnern und begnadigten Terroristen nennt: Orkus-Credits. All diese Leute waren nötig, damit die alte Welt verschlungen werden und bald eine neue aus den Trümmern steigen kann. Die oberste Wahrheit Hollywoods lautet: Jedem Ende wohnt eine nächste, herrlichere Katastrophe inne.

Im Theater ist all das viel billiger zu haben. Da sitzen nur zwei kinderlose amerikanische Ehepaare, Martha und George sowie ihre Gäste Nick und Putzi, einander gegenüber und vergeuden Zeit: Time porn heißt das in Amerika. Sie haben sich um einen großen Alkoholvorrat geschart und versinken langsam in der Nacht. Einen anderen Ausweg als den nächsten Schluck kennen sie nicht. Die vier hocken in dem Stück wie an den Schrägwänden eines Trichters, und mit jedem Atemzug, jedem Wort rutschen sie ein wenig tiefer; und während sie von Nacht und Rausch verschlungen werden, rutschen sie fauchend, beißend, einander beleckend ineinander.
Die zwei Älteren, Martha und George, inszenieren dieses Trichterrutschspiel so oft sie können. Anstelle von Sex haben sie Krieg miteinander, und an Festtagen ziehen sie Fremde in die Kampfhandlungen hinein. Am Ende der Nacht ist die Welt kaputt, die Martha und George sich tagsüber aufbauen. Und anschließend fragt George seine Frau: "Fühlst Du Dich besser?" Die beiden sind nicht unter den Trümmern eines 300-stöckigen Hochhauses hervorgekrochen, sie schwimmen bloß in der Pfütze eines 300-stöckigen Whiskeys. Aber ihre Höllenschreie klingen länger im Ohr als das Dolbygeboller aus Hollywood.

Edward Albees Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" wurde 1962 uraufgeführt. Heute werden solche Stücke, in denen vier Menschen einander zweieinhalb Stunden lang mit nichts als Worten und Projektionen penetrieren und durchröntgen, nur so aus Kriegs- und Untergangslust, nicht mehr geschrieben: Es fehlt dem Publikum und den Dramatikern die Konzentrationsfähigkeit dafür. Würde das Stück heute konzipiert, George oder Martha lägen nach drei Minuten tot am Boden. Aber Albee hat seinen Helden das Ende nicht vergönnt; sie müssen ewig beieinander bleiben. Kein Tod, der sie scheiden könnte, sie sind die Ehebestien des modernen Theaters.
(aus DIE ZEIT 25.11.2004 Nr.49)

 

Besetzungsliste

Martha

Jutta Lefmann

 George

Klaus-Peter Lefmann

 Nick

Bastian Schallenberg

 Putzi

Verena Lücke
   

Inszenierung

Rainer Möller

Regieassistenz und Soufflage 

Meike Weber 

Bühnenbild und Technische Leitung 

Rainer Möller 

Technische Einrichtung
und Durchführung

David Müllmann, Bastian Schallenberg

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Möbel Hartwig, Ibbenbüren für die wohlwollende Unterstützung bei der Bühnenausstattung.

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