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Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie

Komödie von Woody Allen
Premiere: 14. April 1999, Bürgerhaus Ibbenbüren

Inhalt
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts: Andrew Hobbs, ein Anlageberater und Hobby-Erfinder, und seine frigide Frau Adrian haben ihre Freunde zu einem gemeinsamen Wochenende in Andrews Landhaus eingeladen. Nach und nach treffen die Gäste ein: Adrians Cousin Leopold, ein extrem positivistischer Philosophie-Professor, seine Verlobte Ariel sowie Frauenheld Maxwell, der sich die unkomplizierte, sexbejahende Sprechstundenhilfe Dulcy für dieses Wochenende angelacht hat. Das Bäumchen-wechsle-dich-Spiel kann beginnen.
Leopold will sich vor seiner Heirat noch mit der drallen Dulcy vergnügen, während Maxwell sofort Ariel hinterherlüstet, die ihrerseits, wie sich herausstellt, vor langer Zeit eine kurze Affäre mit Andrew hatte. Diverse Treffen im Wald werden arrangiert und fallen mitunter buchstäblich ins Wasser. Andrew, der Ariel auf seinem Flugrad zum Rendezvous mit Maxwell einfliegen will, landet im See; Dulcy, die von Adrian um sexuellen Rat gebeten wird, versäumt darob ihr Treffen mit Leopold.
Am Abend vor der Hochzeit kommen Ariel und Maxwell endlich zusammen, aber Andrew, der nach einem Liebesgeständnis Ariels die alte Affäre wieder aufleben lassen möchte, mischt sich ein und verdirbt alles. Leopold, der das Ganze in Andrews magischem Ball beobachtet, fühlt sich hintergangen und verwundet Maxwell mit einem Pfeil. Auch das Heuschober-Abenteuer zwischen Andrew und Ariel endet unbefriedigend. Erst als Leopold in den Armen Dulcys den schönsten aller Männertode stirbt, sein Geist als grüner Leuchtpunkt in den Wald entschwebt, und Andrew zudem die Gründe für Adrians Sexkomplexe entdeckt, löst sich alles in Wohlgefallen auf.

Zum Stück
Da hätten wir nun also eine mehr oder weniger moderne Version von William Shakespeares Ein Sommernachtstraum. Oder ist es nur ein "… nach Motiven von …"? Was bezweckt Mr. Allen mit diesem auf den ersten Blick plump wirkenden Remake eines genialen und wohl auch eines der meist gespielten und inszenierten erotischen Meisterwerke der Weltliteratur? Von der Presse wurde Allens Verfilmung nicht gerade mit Lorbeeren überschüttet, und auch die Kritiken der Bühnenfassung (Uraufführung 1988 in München) waren nicht sonderlich herausragend.  Warum also sollte man sich die Mühe machen, in dieser Geschichte mehr zu suchen, als sie vorgibt?
Und genau da liegt der Schlüssel zu diesem Stück: Was finden wir bei Shakespeare, das seinen Sommernachtstraum für uns moderne Menschen des 21. Jahrhundert immer noch so fasziniert und immer noch fesselt? Ist es nicht unter anderem die wortgewandte Sprache, die uns verführt, die unsere Phantasie anregt, uns träumen lässt und durch die wir wie von Geisterhand in einen Fluss von Emotionen geworfen werden? Sind es nicht Shakespeares phantastische Gestalten, die uns einwickeln in einen erotischen Traum? Und was ist mit den tolpatschigen Handwerkern, die uns amüsieren und die uns unbewusst zu den Orten der Verführung geleiten? Denn die Verführung ist es, die die Sinne der Liebenden in Shakespeares Sommernachtstraum verwirren lässt, so dass es am Ende zu einem in sich verwickelten Beziehungschaos kommt.
All diese stilistischen Elemente , die Verbindung der Figuren – ob real oder irreal – helfen uns auch bei Woody Allen. Nur bringt dieser die Sache eher auf den Punkt, als lang um den heißen Brei herum zu reden. In beiden Stücken geht es um das Thema Nr.1: Die Sexualität und das verworrene Chaos, das einen Überschuss an Hormonen in uns Menschen auslösen kann. Da, wo Shakespeare seine Figuren durch wortgewandte Verführung zum Höhepunkt kommen lässt, versagt bei Woody Allens Version das Fleisch. Vielleicht wegen einer gar zu plumpen Anmache? Liegt da denn nicht der versteckte Hinweis darauf, dass wir uns gerade in der Sexualität mehr Zeit lassen sollten, uns der Verführung hingeben, uns mit Worten einwickeln lassen und auch noch Mut zum träumen haben sollten, ebenso die Bereitschaft zur Akzeptanz einer gewissen Magie, die die Sexualität in uns auslöst? Woody Allen hebt nicht den drohenden Zeigefinger, um uns mit seinem Stück aufzuzeigen, was wir in Sachen Liebe alles falsch machen, er gibt uns eher auf amüsante Art und Weise zu verstehen, wie wir uns tatsächlich oft verhalten.
Mit nur sechs Personen zeigt er uns, wie unterschiedlich wir Menschen in unserem Verhalten sind, und wie sehr wir bemüht sind, ein bestimmtes Bild abzugeben, dem wir tief in unserem Innern gar nicht entsprechen. Er zeigt uns auch, wie wenig Information oder Einfluss genügt, um uns von einem auf den anderen Moment komplett zu ändern und das Innere nach außen zu kehren.
Das beste Beispiel ist da die Person des Leopold Sturgis. Ein genialer Professor, Autor und Philosoph, der davon überzeugt ist, dass nur das real ist, was wissenschaftlich ergreifbar ist, was man durch Wahrnehmung mit Hilfe der fünf Sinne beweisen kann. Gerade dieser intellektuelle Wissenschaftler ist es, der durch sexuellen Einfluss eine geradezu erschreckende Metamorphose erlebt: die Verwandlung in einen Waldgeist. Oder seine Cousine Adrian, eine verschüchterte, geradezu verklemmte Frau, die seit einem Seitensprung mit dem besten Freund ihres Mannes nicht mehr in der Lage ist, mit ihrem Gatten zu schlafen. Erst in dem Moment, als die Sache herauskommt, fällt die Hemmschwelle, und sie verwandelt sich in einen verführerischen Vamp. Dann wäre da noch Maxwell Jordan, Arzt und Playboy, der sein Selbstbewusstsein durch eine möglichst hohe Verführungsrate aufwertet. Seine Wochenendbeziehung Dulcy Ford, die auch nur für den ersten Moment für ihn interessant scheint, bleibt spätestens bei Maxwells Bekanntschaft mit der Verlobten Leopolds auf der Strecke. Dulcy weiß sich jedoch durch ganzen Körpereinsatz zu helfen, um für sich das beste aus dem Wochenende zu machen, was jedoch ein Menschenleben kostet. Wäre da noch Ariel Weymouth, die durch ihre bloße Anwesenheit die Gemüter verwirrt und das Chaos auslöst. Eine schöne, intelligente Frau, charmant und modern, eine Frau von Welt, die, mit einem Doppelleben behaftet, aus Maxwell einen erwachsenen Mann macht und für sich selbst erkennt, dass nicht immer das unser Ziel ist, was wir uns vornehmen, sondern dass sich Pläne durch einen gewissen sexuellen Einfluss ändern können.
Und zum Schluss wäre da noch Andrew Hobbs, die Verbindung zwischen den anderen, vielleicht sogar die Schlüsselfigur zwischen Shakespeare und Allen. Denn in ihm verkörpern sich viele Elemente des klassischen Sommernachtstraums. Er hat die Handwerker in sich vereinigt, er trägt die Gefühle und den Frust der vier Liebenden in sich. Er stellt die Verbindung zwischen der Realität und der Geisterwelt her, und er leidet unter dem Streit zwischen Titania und Oberon, der auf alle Akteure verteilt wurde. Gerade das macht ihn zu einer interessanten und zugleich tragisch-komischen Figur. Dabei ist es gerade seine offene und ehrliche sowie leicht tolpatschige Art, die ihn zu einer der sympathischsten Figuren in diesem Stück macht.
Sexualität bedeutet nicht nur miteinander zu schlafen – in welcher Stellung und Praktik auch immer - Sexualität bedeutet mehr. Es ist ein lebenveränderndes Phänomen. Nichts beeinflusst Stimmungen, Gefühle, Handlungen und Denken mehr. Leben wir offen damit und genießen wir die magischen Momente der Verführung und des Rausches, die Leichtigkeit und den Flirt, das Lächeln und den Blick. Nichts ist aufregender...  

Besetzungsliste

Andrew Hobbs

Detlef Richter

Adrian Hobbs

Kathi Anlauf

Leopold Sturgis

Rainer Möller

Ariel Weymouth

Imke Strothmann

Maxwell Jordan

Udo Eickelmann

Dulcy Ford

Frauke Lefmann

Statisten

Anne Geschwinder, Arne Stiegemeyer 
   

Inszenierung

Manfred Hagemann

Regieassistenz

Anne Geschwinder 

Kostüme

Ute Stöttner, Dorothee Falkenreck

Bühnenbild

Manfred Hagemann

Technische Leitung

Rainer Möller

 Requisite

Katharina Quindt, Arne Stiegemeyer 

 Maske

Doris Rikeit, Ute Stöttner

 Soufflage

Birgit Seiffert 

Technische Einrichtung
und Durchführung

Udo Eickelmann, Manfred Hagemann, Rainer Möller, Jan Rikeit, Tim Rikeit, Jörn Schäfer, Imke Strothmann, Ingo Strothmann

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