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Nora oder Ein Puppenheim

Drama von Hendrik Ibsen
Premiere: 18. November 1998, Alte Sparkasse Ibbenbüren

Inhalt
Nora (der Titel stammt vom ersten deutschen Übersetzer) ist nach Stützen der Gesellschaft (1877) das zweite jener realistischen Dramen, in denen Ibsen Probleme und Widersprüche der sich damals in Norwegen entfaltenden bürgerlichen Gesellschaft aufzeigt. Nora, die Gattin des Advokaten Torvald Helmer, sitzt - im Gegensatz zu allen anderen Frauen des Stücks - im scheinbar goldenen Käfig ihres "Puppenheims"; Hausarbeiten und Kinderpflege werden von den Dienstboten besorgt. Die Helmers gehören freilich nicht zur alteingesessenen Oberschicht. Torvald hat sich emporgearbeitet, er ist ein Karrierist, der sein Berufsziel soeben erreicht hat: An Neujahr wird er die Direktion der Bank und damit eine Position übernehmen, die ein sicheres Auskommen verspricht und den Aufstieg in jene Führungselite, die Entscheidungen über wichtige gesellschaftliche Entwicklungen trifft - Torvald Helmer vergibt Kredite.
Um ein Darlehen dreht sich auch die Intrige des an drei hektischen Weihnachtstagen spielenden Familiendramas. Nora "hat eine Fälschung begangen", vermerkte Ibsen, "und das ist ihr Stolz; denn sie hat es aus Liebe getan, um ihm [Torvald] das Leben zu retten." Vor acht Jahren setzte Nora die Unterschrift ihres Vaters auf einen Schuldschein, um sich so durch Rechtsanwalt Krogstad ein Darlehen zu sichern, das dem todkranken Helmer einen Aufenthalt im Süden ermöglichte. Als Helmer, der von dieser dunklen Geschichte nichts ahnt, Krogstad aus der Bank entlässt, setzt Krogstad den Schuldschein mit der gefälschten Unterschrift im Kampf um seine Stelle ein: Er erpresst Helmer. Helmer erweist sich nun nicht als Gatte, der - wie Nora es erhofft hat - alle Schuld auf sich nimmt. Helmer geht vielmehr ganz in seiner Rolle als Berufs-Mann, der seine Laufbahn gefährdet sieht, auf. Er überhäuft Nora mit Vorwürfen, ja er spricht ihr,  der "Betrügerin", das moralische Recht zur Erziehung der Kinder ab. Als schließlich eine günstige Wendung Krogstad veranlasst, die Drohung zurückzuziehen und das Corpus delicti zu vernichten, "verzeiht" Helmer, für den die Gefahr eines Skandals gebannt ist, seiner Frau. Nora aber verlässt ernüchtert und desillusioniert Mann und Kinder, obwohl Helmer sie jetzt flehentlich bittet zu bleiben. Denn Nora hat erkannt, dass sie in ihrer Ehe nur als Attribut ihres Mannes, als Helmers "Lerche", als seine Puppe einen Wert hatte; jetzt will sie aber versuchen, "ein Mensch zu werden". [...]
"Ich muss mich davon überzeugen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich", sagt Nora, bevor sie aus ihrer Rolle aus- und in eine ungewisse Zukunft aufbricht.

Die Inszenierung
Henrik Ibsens Nora ist für mich wesentlich mehr als ein Stück Zeitdokument. Was mich reizt, sind Gelegenheiten, im Werk Psychologie- und Sozialstudien zu betreiben. Der Zuschauer fühlt sich - bei einer feinfühligen Umsetzung für die Bühne - in der von Ibsen so klug betriebenen Strickart wie jemand, der wie bei einer Kriminalgeschichte zu einer Art Seelendetektiv wird. Der in früheren Tagen meist einzig gesehene Blickwinkel der Emanzipationsbewegung ist berechtigt - mir jedoch zu klein, da, wenn man diesen Begriff überhaupt benutzen darf, alle Personen der Handlung "Opfer" waren.
Nicht mehr zeitgemäß finde ich einzig und allein die Frage, ob eine Inszenierung von Nora dieses heutzutage noch ist. Die Erfahrungen, die die Protagonisten Noras machen, sind Erfahrungen der Zeit, und somit sind sie es immer wieder wert, in all ihrer Komplexität betrachtet und gedeutet zu werden.
Ich erhoffe mir für alle sieben Aufführungen nicht wie Nora "den wunderbaren Moment", sondern möglichst viele dieser Art.
(Jens Dierkes)

Besetzungsliste

Torvald Helmer, Rechtsanwalt

Michael Kneisel

Nora, seine Frau

Henriette Mudrack

Doktor Rank

Udo Eickelmann

Frau Linde

Martina Brune

Nils Krogstad

Klaus-Peter Lefmann

Hannah Helmer

Andrea Lehmkühler, Nora-Christin Lohmeyer

Ivar Helmer

Tobias Schindler, Tobias Stöttner

Emmi Helmer

Sabine Lehmkühler, Felicitas Lömker

Marie, das Kindermädchen

Kristina Rohmann

Helene, das Hausmädchen

Imke Möller

Eine Marktfrau

Ulla Donnermeyer 
   

Inszenierung

Jens Dierkes

Choreographie

Klaus Lutterbey, Jens Dierkes

Regieassistenz

Katharina Quindt 

Kostüme

Ute Stöttner, Imke Strothmann

Bühnenbild

Jörn Schäfer

Technische Leitung

Jörn Schäfer

Maske

Susanne Bure

Requisite

Ulla Donnermeyer 

Technische Einrichtung
und Durchführung

Jens Dierkes, Udo Eickelmann, Rainer Möller, Doris Rikeit, Heiner Rikeit, Jan Rikeit, Tim Rikeit, Jörn Schäfer, Ute Stöttner, Oliver Daake, Ingo Strothmann, Karolin Mudrack

Dramaturgie und Programmheft

Barbara Lücke

Plakatentwurf 

Gabriel Pielke 

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